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Institutionelle Anlagen

Nachhaltigkeit in Finanzanlagen – Ein Einblick

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Autorin
Dr. Claudia Emele
Lesedauer 2 Minuten

Nachhaltige Anlagen sind heute nicht mehr aus dem Alltag eines institutionellen Anlegers wegzudenken. Doch wie investiert man nachhaltig und welche Performance darf man dabei erwarten?

Grundsätzlich werden die verschiedenen Ansätze in zwei Überkategorien aufgeteilt: Beim Voice Ansatz wird versucht, Unternehmen aktiv in eine nachhaltige Richtung zu lenken. Dies geschieht in der einfachsten Form über die Ausübung der Stimmrechte an der Generalversammlung. Ein etwas engagierterer Ansatz ist das sogenannte «Active Ownership». Hier wird der direkte Kontakt mit dem Management gesucht, um eine Ausrichtung an Nachhaltigkeitskriterien in der Geschäftsstrategie zu verankern. 

Beim Exit-Ansatz werden Titel bewusst von der Anlagestrategie ausgeschlossen (Negativ-Kriterien) beziehungsweise integriert (Positiv-Kriterien). Gängige Ausschlusskriterien sind: Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Pornografie und kontroverse Waffen. Bei den Positiv-Kriterien wird aktiv entschieden, in welche Titel investiert werden soll. 

Weiter wird zwischen einem Best-In-Class-Ansatz, der ESG-Integration und dem Impact Investing unterschieden: 

  • Beim Best-In-Class-Ansatz werden die führenden Unternehmen innerhalb eines Sektors anhand einer ESG-Score identifiziert und übergewichtet. 

  • Die ESG-Integration lässt Nachhaltigkeitskriterien bewusst in die Bewertungsmodelle miteinfliessen. 

  • Beim Impact Investing liegt der Fokus auf einem bestimmten Nachhaltigkeitsaspekt wie beispielsweise Green Bonds, Infrastrukturanlagen oder Microfinance. 

Nachhaltigkeitskriterien definieren 

Die Implementierung einer nachhaltigen Anlagepolitik beginnt mit der Definition von Nachhaltigkeitskriterien. Basis hierfür sind der Geschäftszweck des Investors oder auch politische Normen. In einzelnen Anlagekategorien ist die Definition einer zweckmässigen Form der Nachhaltigkeit jedoch unscharf. Die Berücksichtigung von ESG-Kriterien ist insbesondere bei passiven Anlagen eine Herausforderung. Durch den ESG-bedingten Ausschluss spezifischer Titel wird der Anlage systematisches Risiko zugefügt, wodurch ein Tracking Error zur herkömmlichen Benchmark entsteht. 

Bei der aktiven Umsetzung stellt sich die Frage, welcher Ansatz am besten den Nachhaltigkeitszielen des Investors entspricht. Im Rahmen des Investment Controllings werden die Einhaltung der Nachhaltigkeitskriterien überwacht sowie die Auswirkungen der nachhaltigen Vermögensanlage auf Rendite und Risiko aufgezeigt. 

Unterschiedliche Studienergebnisse 

Bezüglich der Rendite nachhaltiger Anlagen kursiert eine Vielzahl akademischer wie auch praktischer Studien. Die Mehrheit dieser Studien kommt zum Schluss, dass nachhaltige Anlagen mindestens dieselbe Rendite wie herkömmliche Portfolios erzielen. Anderseits existieren auch Studien mit gegenteiligen Ergebnissen. Beispielsweise fanden Blitz und Fabozzi 2017, dass Sin Stocks («Sündenaktien») überdurchschnittliche Renditen erwirtschaften können. Und der Asset Manager Amundi wies 2018 nach, dass nachhaltige Anlagen vor 2014 gegenüber dem Marktportfolio zu Renditeeinbussen geführt haben. Die Heterogenität an Studienergebnissen zeigt, dass nachhaltige Anlagen nicht zwingend besser rentieren, sie jedoch eine positive Wirkung erzielen und Risiken mindern. 

Nun geht es darum, die richtigen Anreize zu setzen, damit der Markt die Kosten externer Effekte eines unachtsamen Ressourcenabbaus internalisiert. Die Volkswirtschaftslehre besagt, dass die entstandenen Ineffizienzen dadurch minimiert werden können und letztendlich zu einem Wohlfahrtsgewinn führen. Ob sich die Theorie auch bezüglich Nachhaltigkeit in die Praxis umsetzen lässt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.  

Portrait Geschäftsleitung Claudia Emele
Autorin
Dr. Claudia Emele
Vermögensanlagen