Institutionelle Anlagen

Private Equity bewährt sich auch in der aktuellen Krise

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Als Corona um sich griff, erlebte die Private-Equity-Industrie einen kurzen Schock. Doch gerade nach Krisen hat sich die Anlageklasse jeweils besonders gut entwickelt. Auch vom Niedrigzinsumfeld wird Private Equity weiter profitieren.

Als die Pandemie das globale Wirtschaftssystem traf, standen die Private Equity Manager vor der Herausforderung, diejenigen Portfoliofirmen zu stabilisieren, die aufgrund ihrer Geschäftsmodelle negativ betroffen wurden. Viele laufende Buyout-Transaktionen wurden aufgrund unsicherer Konjunkturaussichten und Bewertungsschwierigkeiten storniert oder aufgeschoben, sodass das Buyout-Volumen in der ersten Jahreshälfte im Vergleich zum Vorjahr um 20% auf einen Wert von USD 90 Mrd.[1] fiel. Dieser Verlangsamungseffekt war jedoch nur kurzfristiger Natur. Eine Vielzahl der Transaktionen, die im März und April 2020 storniert wurden, sind in der zweiten Jahreshälfte 2020 wiederaufgenommen worden und die Buyout-Aktivität nahm wieder zu. Diese schnelle Erholung der Deal-Aktivität ist nicht zuletzt auf die unverändert hohe Verfügbarkeit von Fremdkapital zu günstigen Bedingungen und das beträchtliche Mass an zugesagtem, aber nicht investiertem Kapital zurückzuführen (sog. «Dry Powder»).

Unterstützung im Kampf gegen Covid-19

Als sich zum Sommer hin die Gesundheitssituation in vielen Teilen der Welt stabilisiert hatte und Lockdown-Bestimmungen vielerorts gelockert wurden, wandten sich die Private-Equity-Häuser wieder vermehrt neuen Deals zu. Nebst dem Sektor Technologie, Medien & Telekommunikation (TMT) war im Industrie- und Chemie-Bereich sowie in den Pharma- und Biotech-Sektoren eine hohe Deal-Aktivität festzustellen, da diese Sektoren und die zugrundeliegenden Geschäftsmodelle eine hohe Covid-Resilienz gezeigt und an Attraktivität gewonnen haben. Im Kampf gegen die Pandemie hat privates Kapital dazu beigetragen, neue Therapie- und Testmöglichkeiten sowie Impfstoffe zu finden.

Ein gut diversifiziertes Private-Equity-Portfolio kann kurzzeitige Schocks abfedern.

Auch nach dem Ende der Pandemie ist zu erwarten, dass weiterhin substanzielles Kapital aus Private Equity Fonds in den Pharma- und Biotech-Bereich fliessen wird. Der Datenanbieter Preqin hat zum Jahresende über 1000 Transaktionen im Gesundheitswesen mit einem Gesamtwert von USD 98 Mrd. erfasst. Mit mehr als USD 25 Mrd. an bereits investiertem privaten Kapital hat der Sektor auch im neuen Jahr stark zugelegt.

Private Equity und Pharmaforschung bündeln ihre Kräfte

Innovationen im Biotech-Bereich sind für die globale Verbesserung der Lebensqualität auch weiterhin von grosser Bedeutung. Während die aktuelle Pandemie in diesem globalen Ausmass hoffentlich ein einmaliges Ereignis bleibt, hat sie den Grundstein für die Entwicklung einer neuen Generation von Therapiemöglichkeiten gelegt, die künftige Krankheiten heilen oder vorbeugen könnten. Privates Kapital wird dabei von essenzieller Bedeutung sein. Das von der amerikanischen Private-Equity-Gesellschaft GTCR mitgegründete Unternehmen Maravai LifeSciences ist ein Beispiel für das erfolgreiche Zusammenwirken von Private Equity und Pharmaforschung. Maravai, das RNA-Forschung betreibt und Inhaltsstoffe für die Entwicklung von Impfstoffen produziert, beliefert unter anderem Pfizer/Biontech für die Herstellung der Covid-19-Impfung.

Unternehmen wie Hello Fresh, Delivery Hero oder Wolt verzeichneten 2020 Rekordjahre.
Nahrungsmittelindustrie und Dienstleister profitieren

Die Covid-19-Krise hat deutlich gezeigt, dass ein gut diversifiziertes Private-Equity-Portfolio kurzzeitige Schocks abfedern kann. Obwohl die weltweiten Lockdowns in der ersten Jahreshälfte 2020 für etliche Fondsmanager mit (zum grössten Teil unrealisierten) Verlusten bei Portfoliofirmen einhergingen, konnten andererseits auch viele Portfoliofirmen von der Pandemie profitieren und höhere Renditen als erwartet erzielen. Profiteure der Lockdowns waren unter anderem die Nahrungsmittelindustrie und damit verbundene Dienstleistungsunternehmen. Von Private-Equity-Gesellschaften finanzierte Unternehmen wie Hello Fresh, Delivery Hero und das finnische Startup Wolt, die bereits vor Covid-19 erheblich wuchsen, verzeichneten 2020 Rekordjahre. Ein Trend, der sich auch 2021 fortsetzen dürfte. Insbesondere bei den Millennials und der Generation Z befeuerten Restaurantschliessungen und der Fortschritt in der Digitalisierung die hohe Nachfrage.

Kassen voll mit «Dry Powder»

Seit Beginn der Pandemie haben Unternehmen weltweit ihre Tätigkeiten auf den Homeoffice-Betrieb umgestellt. Dadurch erlebten Videokonferenzanbieter wie Starleaf, in das die Private-Equity-Gesellschaft Highland Europe investiert ist, einen massiven Nachfrageboom. Alleine in der ersten Jahreshälfte 2020 verzeichnete Starleaf ein Umsatzwachstum von 60% im Bereich Videokonferenzen, Calls und Chats. Im dritten Quartal ermöglichte das britische Unternehmen über 12,8 Millionen Video- und Telefonkonferenzen, fast viermal so viel wie im Vorjahresquartal. Klar ist, dass ein Teil der Meetings auch in Zukunft digital stattfinden wird, was den Unternehmen im Hinblick auf weniger häufige Geschäftsreisen Kosteneinsparungen ermöglicht und der Umwelt zugutekommt. Insgesamt wird erwartet, dass auch im laufenden Jahr im Technologiesektor hohe Renditen erzielt werden können.


Renditen der Top Quartile Buyout Fonds nach Vintage-Jahren

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Wie bereits nach der letzten Weltwirtschaftskrise wird Private Equity voraussichtlich weiterhin vom Niedrigzinsumfeld profitieren. Es ist erwiesen, dass die Anlageklasse sich insbesondere nach Wirtschaftseinbrüchen gut entwickelt hat (siehe Grafik). In Anbetracht gefüllter Kassen in Form von derzeit über USD 1,6 Billionen «Dry Powder» dürfte das auch in dieser Krise nicht anders sein.

 

Dr. Claudia Emele, Geschäftsführerin Avadis Anlagestiftungen, Zürich

Nicolas von der Schulenburg, Managing Director, Portfolio Advisors LLC, Zürich



[1] Quelle: Preqin


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