Institutionelle Anlagen

Emerging Markets Debt in Lokalwährung – unterschiedliche Renditetreiber prägen die Obligationenmärkte

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Autor
Dr. Marco Haase

Die Obligationenmärkte entwickelten sich in 2026 ausgesprochen unterschiedlich. Während Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern deutliche Gewinne erzielten, standen Staatsanleihen aus Industrieländern unter Druck.

Der JPMorgan GBI-EM Global Diversified Index (EMD) legte in Schweizer Franken seit Januar 2026 um 6,0% zu, während der währungsgesicherte FTSE World Government Bond Index ohne Schweiz (Staatsanleihen Global) 4,7% verlor. Die Differenz von über zehn Prozentpunkten lässt sich vor allem durch unterschiedliche Zinsentwicklungen, Zinserträge und Währungseffekte erklären.

Grafik 1: Unterschiedliche Performance der Obligationenmärkte

alt GBI-EM GD ungesichert gegenüber FTSE WGBI ex Schweiz CHF-gesichert. September 2023 – September 2026, indexiert.

Höhere Zinserträge stützen Schwellenländeranleihen

Ein wesentlicher Unterschied liegt im Zinsniveau. Die Rendite auf Verfall des GBI-EM GD betrug Ende September rund 6,5%. Diese höheren laufenden Erträge bieten einen gewissen Puffer gegen Kursverluste bei steigenden Marktzinsen. In den ersten neun Monaten 2026 standen einem Zinsertrag von 4,4% Kursverluste von 2,2% gegenüber.

Auch die Zinsen von Staatsanleihen aus Industrieländern stiegen. Anhaltende Inflationsrisiken, zunehmende Haushaltsdefizite und ein hoher staatlicher Finanzierungsbedarf belasteten insbesondere längerfristige Anleihen. Im dritten Quartal fiel der Zinsanstieg in den Industrieländern deutlich stärker aus als in den Schwellenländern. Die damit verbundenen Kursverluste wurden durch die vergleichsweise niedrigeren laufenden Zinserträge weniger stark abgefedert.

Währungsentwicklung verstärkt die Unterschiede

Ein weiterer wesentlicher Renditetreiber war die Währungsentwicklung. Während die Fremdwährungsrisiken beim FTSE WGBI gegenüber dem Schweizer Franken abgesichert werden, sind Lokalwährungsanleihen aus Schwellenländern ungesichert.

Dieser Unterschied zeigt sich besonders deutlich im laufenden Jahr: In US-Dollar erzielte der GBI-EM GD lediglich eine Rendite von 0,6%, in Schweizer Franken hingegen 6,0%. Obwohl die im Index enthaltenen Schwellenländerwährungen gegenüber dem US-Dollar insgesamt leicht an Wert verloren, führte die Aufwertung des US-Dollars gegenüber dem Schweizer Franken zu einem erheblichen positiven Währungseffekt. Bei einer Aufwertung des Frankens kann sich dieser Effekt entsprechend umkehren.

Grafik 2: Renditetreiber und aktive Rendite – Emerging Markets Debt Local Currency

alt Januar – September 2026, in %

Unterschiedliche Risiken bieten Diversifikationspotenzial

Die bessere Performance bedeutet nicht, dass sich die Risiken der beiden Anlageklassen angeglichen haben. Emerging Markets Debt ist stärker von länder-spezifischen Entwicklungen, politischen Risiken und Wechselkursschwankungen abhängig. Zudem unterscheidet sich die Kreditqualität deutlich von traditionellen Staatsanleihen aus Industrieländern, wie Grafik 3 veranschaulicht.

Grafik 3: Schuldnerkategorien nach Rating

alt

Gerade diese unterschiedlichen Risikofaktoren können jedoch zur Diversifikation eines Obligationenportfolios beitragen. Die jüngste Entwicklung verdeutlicht, dass sich die Zins- und Währungsmärkte der Schwellenländer nicht zwangsläufig im Gleichschritt mit jenen der Industrieländer bewegen.

Aktive Umsetzung verstärkt die Renditetreiber

Die Anlagegruppe wird von Mondrian Investment Partners aktiv bewirtschaftet. Die Länderauswahl richtet sich nach den erwarteten Realzinsen, also der Rendite nach Abzug der prognostizierten Inflation und unter Berücksichtigung der Bonität. Die Währungsallokation stützt sich auf Kaufkraftüberlegungen. Daraus resultiert ein konzentriertes Portfolio mit Schwerpunkten in Ländern mit hohen Realzinsen wie Mexiko, Brasilien und Kolumbien. In den ersten neun Monaten 2026 erzielte die Anlagegruppe nach Kosten 9,9% gegenüber 6,0% für den Vergleichsindex.

Abweichungen vom Index können sich jedoch auch negativ auswirken, beispielsweise blieb 2024 die Anlagegruppe mit 3,2% hinter dem Index zurück.

Emerging Markets Debt bleibt damit eine Ergänzung zu traditionellen Staatsanleihen. Höhere Zinserträge und weitere, eigenständige Renditetreiber bieten Diversifikationspotenzial bei Exposure zu einem anderen Mix an Währungs-, Kredit- und Länderrisiken.

Autor
Dr. Marco Haase
Leiter Investment Office